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Reisebericht Rollerreise über die Alpen, den Gardasee ans Mittelmeer (Danke an Stefan vom Piaggio-MP3 Forum) Tourbeschreibung |
2175 km-Tour Alpen - Gardasee - Mittelmeer Auch wenn es schon ein paar Tage her ist, will ich doch meine letztjährige Rollertour zum Besten geben. 5 Tage auf dem Roller, 2175 km, 5 Länder, (gefühlte) hunderte von Alpenpässen, 0 °C bis 30 °C, 0 m bis 2758 m ... Im September hatte ich 2 Wochen Urlaub und mir spukte schon der Gedanke einer Tour nach Italien durch den Kopf. Allerdings wurden für die ersten Tage erst mal starker Regen vorhergesagt. Daher bin ich erst mal (mit dem Auto) zum Entspannen an die Nordsee gefahren. Freitags abends kam ich zurück und der Entschluss stand fest: Samstag Urlaubsplanung (und Packen und so) und Sonntag morgen Abfahrt. Ich gehöre nicht zu den spontanen Leuten (oder vielleicht doch, wie man an der Planung sieht) aber ich brauche immer ein Ziel und die Gewissheit eine Unterkunft zu haben. Daher legt ich samstags meine komplette Tour fest und buchte auch schon alle Hotels im Voraus. Die täglichen Fahrtzeiten lagen zwischen 7 und 11 Stunden und die Pausen beschränkten sich auf tanken, essen, trinken, pinkeln und ab und zu das Hinterteil wiederbeleben. Wenn man alleine unterwegs ist, und das Gepäck auf dem Rücksitz hat, will man den Roller auch nicht unbeaufsichtigt lassen .... Die Orientierung und Steckerführung erfolgte anhand von Straßenschildern. Ich hatte zwar ein Navi dabei, das war aber nur für absolute Notfälle. Das nächste mal sollte ich vielleicht noch eine Landkarte einpacken  . Ich hatte mir für jeden Tag einen grobe Landkarte aus Google-Maps ausgedruckt, damit ich einen Grundorientierung hatte. Hat auch meistens funktioniert .... Bevor ich es vergesse, ich bin nur Landstraße gefahren, keine Autobahn. Auf der ganzen Tour hab ich kein Maut bezahlen müssen, weder für Straßen noch für Pässe. |
Tag1: KL - Zams in Tirol 499 km, 10h
Nah der Heimat und doch so fern. Seltsamerweise hatte ich auf dem erst Teilstück die größten Orientierungsschwierigkeiten. Als ich dann endlich das Allgäu erreicht hatte, war alles einfacher. Das Wetter am ersten Tag war super... warm, sonnig, angenehm zu fahren und obwohl es der erste Tag war machten mir die ersten 8 Stunden gar nix aus.
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Dann artete es zwar schon etwas zur Quälerei aus. Zum Schluss konnte ich nur noch max. 20 min sitzen bevor ich wieder eine kurze Pause machen musste.
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Aber ich erreichte Zams in Tirol bei schönem Wetter ohne große Probleme, wenn man von vielen gestörten Motorradfahrern absieht, die sonntags die Voralpenpässe unsicher machen.
Übernachtung in der Pension Haueis (30 Euro inkl. Frühstück, schöne Pension, Zimmer ok, sehr sauber, Empfang total unfreundlich)
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Tag2: Zams - Torri del Benaco 385 km, 9h
Unangenehmer Start in den Tag... es gießt in Strömen. Aber ich hätte mich ja auch geärgert, wenn ich die Regenkombi umsonst mitgenommen hätte. Für den zweiten Tag hatte ich mir Berge und Pässe als Ziel gesetzt. Da die direkte Strecke von Tirol zum Gardasee etwas kurz war und der Reschenpass auch nicht gerade der Hit ist, hab ich mir noch das Stilfserjoch auf den Plan gestellt.
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Im Endeffekt waren es dann 6 Pässe, die ich überwinden musste, was ich aber dank mein Grobplanung mit Google-Maps nicht vorher erkannt habe. Als ich mich auf den Aufstieg zum Stilfserjoch machte, lass ich in der ersten Haarnadelkurve Kehre 48 , in der zweiten dann Kehre 47 usw. und ich dachte, na hoffentlich sind das nicht wirklich 48 Kehren bis ich da hoch und auf der anderen Seite wieder runter bin. Mittlerweile weiß ich, die 48 Kehren sind nur der Weg nach oben. Auf der anderen Seite sind es ca. 10 weniger... |
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Ich war echt froh, dass es Montag Morgen war und die Straße so gut wie leer. Bei den engen Kehren hatte ich schon manchmal mit dem Wendekreis zu kämpfen. Auf halber Strecke kam mir dann der Schneepflug entgegen und man merkte schon, dass es immer kühler wurde. von den 20 Grad in Tirol nichts mehr zu spüren. |
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Oben auf dem Pass waren es 0 Grad und es hatte nachts frisch geschneit, aber zum Glück hatte der Räumdienst ganze Arbeit geleistet. Dank dicken Motorradklamotten und Regenkombi drüber machten mir auch die Gefrierpunktstemperaturen nichts aus. |
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Kaum war ich über den Pass drüber, kam die Sonne raus und im Tal waren angenehme 24 Grad, also Regenkombi wieder aus. Dann mal ein bisschen verfahren, den nächsten Pass wieder hoch und oben wieder Weltuntergangswetter, also Regenkombi wieder an. Im Regen runter, nächsten Pass im strömenden Regen wieder hoch, kaum den Höhepunkt überfahren war wieder die Sonne da. So ging es mir den ganzen Tag. Regenkombi an, Regenkombi aus, Regenkombi an.... |
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Das führte dazu, dass ich den Gardasee bei strahlendem Sonnenschein und 24 Grad im Regenkombi erreichte und schon etwas komisch angeschaut wurde. Alle lokalen Rollerfahrer im T-Shirt und kurzen Hosen und ich in den dicken Motorradklamotten mit der Regenkombi drüber.
Übernachtung im Hotel Belvedere (49 Euro inkl. Frühstück, super Hotel, 2 Sterne, könnte nach Auststattung und Zustand aber auch 4 haben, sehr freundlich, kostenlose Tiefgarage) |
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Tag 3: Relaxen am Gardasee
Herrliches Wetter am Gardasee. |
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Einfach nix tun und einfach nur am See sitzen.... |
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Wieder Übernachtung im Hotel Belvedere |
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Tag 4: Torri del Benaco - Finale Ligure 362 km, 8h
So ein rollerfreier Tag rächt sich spätestens am Tag danach. Am zweiten Tag hatte ich auch nach den 10 Stunden am Vortag keinerlei Probleme morgens. Jetzt, nach dem Erholungstag, war es komplett anders. Schon nach 5 km tat mir alles weh... Es hatte einige Zeit gedauert, bis ich mich wieder eingewöhnt hatte.... Nachdem ich südlich vom Gardasee einige male anhalten und auf meinen Plan schauen musste, hatte ich irgendwann den Weg Richtung Süden gefunden. Ich lerne italienisch zu fahren. Ein Roller darf sich nie mit den Autos in einer Schlange oder einer Ampel einreihen, sondern muss dranvorbei brettern, macht er das nicht, wird er gnadenlos abgedrängt. Nachdem mir das zwei mal passiert war, hatte ich mir das Bremsen abgewöhnt. Und es hat funktioniert. Einfach überholen, wenn einer langsamer fährt oder sogar steht, selbst wenn Gegenverkehr kommt.... |
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Die Landschaft in der Po-Ebene und um Mailand ist hässlich und in der Nähe von Parma stinkt es auf 100 km nur nach Intesivschweinezucht. Ich war echt froh, als ich die Ebene hinter mir hatte und wieder die Berge (Seealpen) erreichte. Die Luft war klar und es waren kaum Autos auf der Straße. Einfach tolle Bergtour. Ich wusste ja schon, dass ich durch Genua durch musste, aber dass es so schlimm werden wird, hatte ich wirklich nicht geahnt. 1,5 Stunden durch die drittgrößte Stadt Italiens bei 30 Grad in den dicken, schwarzen Motorradsachen. Verkehrstechnisch ein absolutes Chaos. Auch dieses Mal war ich wieder der einzige Roller, der sich bei den Auto einreihte. Aber so wie die anderen Zweiräder gefahren sind... das war mir doch zu gefährlich. |
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Danach kaputt und müde das letzte Stück an der wundervollen ligurischen Küste entlang bis nach Finale Ligure.
Übernachtung im Grand Hotel Moroni (105 Euro mit Vollpension, ziemlich enttäuschend, das Hotel war bestimmt mal "grand" in den 60ern, dabei wollte ich mir sozusagen als "Höhepunkt" mal was Gutes gönnen). |
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Tag 5: Relaxen am Mittelmeer
Eigentlich wollte ich den Tag nutzen, um ein paar kleinere Touren durch das tolle ligurische Hinterland zu machen. |
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Aber dann siegte doch der Drang nach Erholung und außerdem lockte der schöne Sandstrand. |
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Ja, ich war sogar im Wasser...
Zweite Nacht im Hotel Moroni |
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Tag 6: Finale Ligure - Gluringen / Wallis 399 km, 7,5 h
Irgendwie hab ich schlecht geschlafen. Um 4 Uhr bin ich dann aufgestanden und hab gepackt und bin um 5 Uhr losgefahren. Fast mutterseelenallein mitten in der Nacht an der Küste entlang zu fahren ist auch ein einmalig schönes Gefühl. Und dann, als ich Richtung Landesinnere abgebogen bin, war sie da... die Dunkelheit. So was hatte ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Ich meine, ich weiß, was Nacht ist, und weiß auch, was Dunkelheit bedeutet, aber so was hatte ich noch nicht gesehen. Man sah gar nix, nicht mal schemenhaft, keinen Horizont gar nix. Ich sah wirklich nur den Lichtkegel des Rollers. Es hätte 1m neben mir sich jemand befinden können, ich hätte ihn nicht gesehen. Das war wirklich nicht angenehm. Durch jede Kurve fast im Schritttempo, weil man den weiteren Streckenverlauf nicht mal erahnen konnte (was Straßenmarkierung und Leitpfosten angeht war da auch nicht allzu viel zu finden). Ansonsten war es ein trüber, regnerischer Tag, wieder mit viel Flachland (durch die Reisanbaugebiete Italiens) mit kilometerlangen kerzengeraden Straßen. Irgendwann war ich dann am Lago Maggiore. War eigentlich nicht geplant aber was solls...
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Da mir dieser See schon bei Sonnenschein nicht gefällt ist es im trüben Zustand umso schlimmer, also schnell weg und ab in die Berge. Über den Simplon-Pass ab in die Schweiz. Nach den vielen Pässen, die ich schon auf meiner Tour überquert habe, ist der Simplon eher unspektakulär und langweilig. Außerdem ist es oben ziemlich neblig. Ganz zu schweigen von der kilometerlangen Baustelle die meinen Roller in ein verschmutztes Etwas verwandelte. |
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Durch meinen frühen Aufbruch erreichte ich mittags schon das Hotel in Gluringen. Keine Minute zu früh. Ich legte mich erst mal 2 Stunden schlafen....
Übernachtung im Hotel Walliser Sonne (65 CHF inkl. Frühstück, Motorrad-Hotel, für schweizer Verhältnisse günstig, sehr nette und freundliche Hotelbesitzer). |
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Tag 7: Gluringen - KL 530 km, 11 h
Heimreise, die größte Teilstrecke. Morgens geht es los bei herrlichem Sonnenschein (nach dem trüben, regnerischen Vortag) so dass sich das Wallis von seiner besten Seite zeigt. Die alten Holzhäuser sind schon echt faszinierend. |
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Direkt in der Morgensonne den Grimselpass hoch, es ist der schönste Pass auf der ganzen Tour (kommt mir so vor, vielleicht hängt es aber auch am Wetter). Die Abfahrt auf der anderen Seite erfolgt im dicksten Nebel, so dass ich von der Landschaft auf der anderen Seite gar nichts mitbekomme. |
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Heute ist der große Schweiz-Tag. Einmal quer durch die Schweiz, was sich bei den schweizer Geschwindigkeitsbeschränkungen ganz schön zieht. Es sind sowieso nur 80 auf den Landstraßen erlaubt, aber meistens ist es noch auf 60 reduziert. Außerdem ist meine Streckenführung so toll, dass ich fast alle großen Städte der Schweiz durchquere (Interlaken, Thun, Bern, Solothurn, Basel). Im Nachhinein gesehen, bestimmt nicht die beste Strecke, aber so ist das halt, wenn man ohne direkte Streckenplanung fährt. Nachdem ich durch Basel durch war, bin ich dann auf der französischen Seite Richtung Norden gefahren. In Straßburg bin ich dann noch mal etwas im Verkehrschaos stecken geblieben, aber dann ging es problemlos bis in die Pfalz. |
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Fazit: Rückblickend, nachdem mein Hintern wieder durchblutet ist, kann man sagen, dass es eine tolle Tour war. Eines dieser Erlebnisse, die man nicht missen möchte. Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, allein auf so eine Tour zu gehen, aber ich hatte damit kein Problem. Im Gegenteil... Außerdem wird man auf so einer Tour ein sehr gläubiger Mensch. Wie oft hab ich gebetet, dass das Benzin noch bis zur nächsten Tankstelle reicht  |
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