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Reisebericht Rollerreise Gardsee (Danke an Jörg vom Piaggio-MP3 Forum)
Tourbeschreibung Gardasee



Donnerstag, 27.08.2009
hatte ich noch bei Kilometerstand 706 vorab die Tausender machen lassen und darauf hingewiesen, dass die bitte das Lenkerflattern abstellen sollten.
Also, ich habe keine Erfahrung mit motorisierten OpenAir-Reisen, dementsprechend unsicher war ich auch bezüglich der Ausrüstung. Zwei Taschen, einen Rucksack und ein „Wimmerl" (Bauchtasche) hatte ich dabei. (Eine Tasche unterm Sitz, eine Büse-Tasche auf dem Beifahrersitz und den Rucksack hinten im Heck). Im Wimmerl waren Foto, Geld und das Roadbook. Das ist echt praktisch, so hat man diese Dinge immer am Mann und sofort griffbereit.
Zwei Helme hatte ich mit, eine Minischüssel und einen Jethelm mit Visir für schlechtes Wetter. Echte Sicherheitskleidung wollte ich nicht, widerstrebt meinem Freiheitsbedürfnis. Also Zwiebelprinzip, Unterhemd, Hemd, Pulli, Softshelljacke, Goretexjacke. Obenrum OK, aber untenrum hatte ich mich zu sehr auf das Beinschild verlassen.
Bezüglich der Route hatte ich mich lange vorbereitet und mit Google-Maps eine Strecke festgelegt, ein Roadbook geschrieben (5 Seiten DIN-A4) und ein Navi dabei. Aber am Abend vor dem Start habe ich fesgestellt, dass ich nicht, wie erst gedacht, eine Europakarte, sondern nur D/A/CH - Karten auf dem Navi hatte. Dann wollte ich noch schnell Italien aus dem Netz laden, aber die Karte wurde von TomTom nur noch für das Nachfolge-Gerät angeboten. So schnell ist das heutzutage, hast du ein zwei Jahre altes Gerät, schon bist du der Arsch! Man gut, dass ich das Roadbook und eine 1:200.000er Strassenkarte hatte.

Freitag, 28.08.2009
Start war Freitag früh in Rosenheim Richtung Tegernsee und es war ziemlich kalt. Ich war noch garnicht weit gekommen, da fror ich schon an den Beinen. Ich hätte auch eine lange Schi-Unterhose anziehen sollen, habe ja von diversen Sportarten das Zeug daheim. Aber Umkehren kam nicht in Frage. Auch das Lenkerflattern war noch da, natürlich hatten die nix gemacht. Darüber habe ich mich die ganze Reise ärgern dürfen.
Also weiter am Tegernsee nach Süden, am Sylvensteinspeicher vorbei, und auf's erste Highlight, die Mautstraße bei Vorderriß.
Man fährt dort auf kleiner Straße Richtung Osten an der oberen Isar entlang, sehr schön. Weiter ging's ab Wallgau Richtung Süden über Mittenwald, Seefeld, Sagl,
Ötztal-Bahnhof ins Ötztal.
Inzwischen war es etwas wärmer geworden und ich konnte ein paar Sachen ausziehen und den kleinen Helm aufsetzen. Im Ötztal geht es hinauf zum Timmelsjoch auf 2500m und ich befürchtete bezüglich Temperaturen schon Schlimmes, aber es wurde immer wärmer und oben auf dem Timmelsjoch hatte es 20° Grad.
Timmelsjoch als 2. Highlight war schon schön, aber bei so einer Fahrt relativieren sich die Eindrücke. Auf dem Timmelsjoch ist die Italienische Grenze und aus war es mit der Satelliten-Navigation. Zunächst kein Problem, hinunter ins Passeiertal nach St. Leonhard und weiter nach Meran gibt es eh keine Alternative.
Auch durch Meran bin ich nur hindurchgefahren, das tut mir jetzt leid. Die Promenade an der Passer würde schon einen Aufenthalt lohnen. Allerdings hatte es in Meran bereits 36° Grad. Weiter ging es Süd/Südwest über Lana ins Ultental, durch St. Pankraz, nach Santa Valburga. Dort habe ich zum ersten Mal übernachtet. Das Hotel hieß Weiberhimml, ein vielversprechender Name, der leider sein Versprechen nicht gehalten hat.

Samstag, 29.08.2009, Teil 1
Um weiter zu kommen, das Ultental ist eine Sackgasse, musste ich ein paar Kilometer zurück und dann den Abzweig nach Süden auf neugebauter Straße über's Hofmahdjoch bzw. durch den Tunnel. Auf der Südseite kam das dritte Highlight. Bald nach dem Tunnel zweigt eine kleine Straße rechts ab nach Mezzaluna. Es war ja Samstag und in Mezzaluna war Markt.
Das war noch kein reiner Touristenmarkt, sondern echt. Ich bereute sofort, nicht mehr Stauraum zu haben für all die Köstlichkeiten, die dort angeboten wurden, Obst, Schinken, Würste, Käse und Brot in allen Variationen. Und ich kam leider gerade von einem ausgiebigen Frühstück. So ein Pech.
Von Mezzaluna geht eine schöne kleine Straße nach Süden hinunter, nach Mione. Hier wurde es wieder so warm, dass ich im T-Shirt fahren konnte. Ich liebe Fahren im T-Shirt! Von Mione dann weiter nach Rumo und hier kam die erste Katastrophe. Mit meinem Roadbook landete ich erst in einer Apfelplantage, noch auf Teer, und ahnte noch nichts richtig Böses. Der Weg hatte schon erhebliches Gefälle, wurde schmaler und kippte dann steil ab und die Teerdecke war auch zu Ende. Ende Gelände sagt man da, aber es war Anfang Gelände und ich musste zurück. Beim Versuch, den MP3 auf der schmalen Straße zu wenden, kippte der um, natürlich zum Gefälle hin und auf mein Bein. AuaAua! Der Motor lief noch, also stellte ich den ab, richtete den MP3 mühsam wieder auf und betrachtete den Schaden: eine blutende Schürfwunde, ein zerkratzter Kotflügel und sonst nicht viel. Leider vergisst man in solchen Situationen das fotografieren. Nachdem ich den Rückzug angetreten hatte, kam der zweite Schreck. Der Lüfter lief, dadurch merkte ich, dass die Motortemperatur am Anschlag war. Ich hielt an, mitten in der Apfelplantage, weitab jeglicher „Zivilisation" und überlegte was zu tun wäre. Dann rief ich meinen Händler in Rosenheim an und erklärte ihm meine Situation. Er meinte, dass vielleicht Luft irgendwie irgendwo im Kühlsystem war, wo sie nicht hingehört. Wohl die richtige Diagnose. Nachdem der MP3 etwas abgekühlt war, rollte ich mit ausgeschaltetem Motor einen Berg hinab um ihn weiter zu kühlen. Unten angekommen fuhr ich langsam weiter, aber sofort stieg die Temperatur wieder bedenklich an. Da griff ich zur Brachialmethode, Vollgas und durch. Und richtig, die Temperatur fiel wieder und war dann wärend der ganzen Tour im „grünen Bereich".
Jetzt war zwar Mittag, aber irgendwie war mir nicht nach Essen zumute sondern nach FAHREN. Weiter ging es über Bozzana und an neunundneunzig weiteren kleinen Orten vorbei in einem Tal immer Südwest. Das Wetter war sehr unbeständig und ab und zu fielen ein paar Tropfen, aber es war noch warm. Dann ging es bergauf, es wurde kalt und kälter und es begann zu regnen. Ich zog meine Regenhose nicht gleich an und irgendwann stand ich nass auf dem Passo del Tonale. Dort ist ein Schigebiet. Es gibt nichts hässlicheres, als ein Winterhoteldorf mit Liftparkplätzen im Sommer bei Regen. Mir wurde klar, dass ich vor einer halben Stunde in Dimaro eine Abzweigung nach Süden verpasst hatte. Ich musste den ganzen Schei$$berg wieder runter, es gab keine Alternative. Zum Glück hörte der Regen bald auf und ich konnte im Sonnenschein die richtige Route über Madonna di Campiglio und Tione zum Lago di Idro fahren. Auf dem Lago di Idro waren jede Menge Kitesurfer, ein schöner Anblick, aber leider kein schöner Platz zum anhalten und rasten.
Am Ende des Lago di Idro in Pieve Vecchia zweigt eine kleine Straße links ab in die Berge zum Lago di Valvestino. Nach vielen Kilometern und einer gefühlten Million Kurven erreichte ich Navazzo, wo ich den ersten Blick auf den Lago di Garda hatte.

Samstag, 29.08.2009, Teil 2
Navazzo war sozusagen der Scheitelpunkt der Tour, der südlichste Punkt. Ab hier fuhr ich wieder nördlich in die Berge Richtung Costa und versuchte gleichzeitig, ein Quartier zu finden. Es ergab sich aber nichts. Einmal fuhr ich wegen einem Schild an der Straße (ohne Entfernungsangabe) ca. 10 Km ins Nirgendwo bis ich an ein Albergo kam, aber kein Zimmer war mehr frei. Also zurück und weiter auf meiner Route. Irgendwann kam ich nach Costa. Laut Google-Maps gibt es von dort eine Straßenverbindung durch die Berge nach Tignale. Sicher eine Abenteuer-Route, aber das wollte ich ja. In Costa angekommen, ein Bergdorf, kamen mir erste Zweifel als ich die Via Boccapalolone sah, die lt. Roadbook weiterführen sollte. Wie schon mal geschrieben, zurück gibt es erst im äussersten Notfall, also weiter. Die Straße war so schmal, da passte nicht viel mehr drauf als mein MP3. Und es kam, wie es kommen musste, nach einigen Kilometern war die Asphaltdecke zu Ende, nur noch Gelände! Es war später Nachmittag, ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen ausser zwei Müssliriegeln aus dem Notproviant und das Wasser war auch schon lange alle. Hätte ich den MP3 wieder umgeschmissen, ich hätte mich zum Sterben daneben gelegt. Aber das Wenden hat geklappt und so half es nix, ich musste zurück. In der grössten Not ... nach ein paar Kilometern im Wald kam ich an eine Quelle, die ich beim Rauffahren nicht gesehen hatte und ich konnte mich und meine Trinkflaschen auffüllen.
Mein Ziel war jetzt Tremosine/Voltino/Hotel BelSito. Ich kannte das von früher und ich kann es nicht erklären, ich wusste irgendwie, dass ich dort ein Zimmer bekomme. Das war zwar noch ziemlich weit, zumal ich erst wieder nach Navazzo zurück musste und dann auf die Uferstraße Gardesana nach Norden und dann hinauf nach Tignale. Aber nur die Harten kommen in den Garten, also los. Eigentlich wollte ich mir Tignale und die umliegenden Orte sowie Monte Castello anschauen, aber dafür hatte ich jetzt natürlich keine Zeit und keine Nerven mehr. Nach einer weiteren gefühlten Million Kurven versuchte ich in Vesio/Tremosine nochmal ein Zimmer zu bekommen, hätte auch geklappt, 100 €uro die Nacht mit Frühstück. Nein, Danke! Also noch ein paar Kilometer und weitere 1000 Kurven und richtig, im BelSito bekam ich das letzte freie Zimmer für 27 €uro incl. Frühstück.
Frisch geduscht und wieder Mensch bin ich dann hinunter zur Pizzeria in Voltino und habe mir eine Super-Calzone und einen Krug Rotwein und anschliessend ein Tiramisu und einen Grappa genehmigt. Jetzt waren die Welt und ich wieder im Einklang!

Sonntag, 30.08.2009
Am nächsten Morgen gab es ein Super-Frühstücksbuffet. Ich habe dann gleich noch eine weitere Übernachtung gebucht, ein anderes Zimmer wurde für eine Nacht frei, und bin zurück gefahren, um mir die ganzen schönen Orte Tignale, Pieve und die Kirche von Montecastello wieder einmal anzuschauen, wo ich am Vorabend nur vorbeigeheizt bin. Eigentlich war der Weg das Ziel dieser Reise, aber das zweite Ziel war, Tremosine und Tignale wiederzusehen. Das Wetter war bestens, ca. 30° Grad und es war ein relaxter Tag.
Ich bin stundenlang an den schönsten Plätzen gesessen, hoch über dem Gardasee.
Auch das Mittagessen im Ristorante San Marco in Pregasio war super. Abends gab es dann wieder in Voltino ein leckeres Abendessen.

Montag, 31.08.2009, Teil 1
heute Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück fuhr ich hinunter nach Limone. Ich wollte mit der Fähre nach Malcesine übersetzen, mir den Ort mal wieder anschauen und dann nach Norden die Rückreise antreten. Aber die Karten waren anders gemischt. Die Fähre, der ich noch am Vortag von oben, 600m über dem See, zugeschaut hatte, war kaputt und fuhr nicht. Also weiter auf der Uferstraße Gardesana nach Riva. Auf der Gardesana tanzte der Bär und in Riva ein ganzer Zirkus. Aber in Italien gilt folgende Regel, habe ich sofort verstanden: Wenn in deiner Richtung Stau ist gehört dir die Straßenmitte, dritte Spur sozusagen. So kommt mann gut voran und bald war ich in Torbole. Von dort hatte ich ein weiteres Highlight geplant, Localita Braila. Das ist auch wieder eine winzige Straße, aber diesmal keine Sackgasse. Die Strasse ist alledings auch so schmal, dass ein Auto gerade draufpasst.
Die Mini-Strasse führte dann allerdings an Braila vorbei ohne den Ort zu berühren. Weil ich neugierig war warum das so ist, bin ich dann auf einer weiteren Mini-Straße doch noch nach Braila gefahren. Dann wusste ich, warum die Straße nicht durch Braila ging. Der Ort ist so eng, dass kein Auto hindurch fahren kann. Mit dem MP3 ging es und ich habe ein Foto von der „Ortsdurchfahrt" gemacht.
Ich bin ja von italienischen Bergdörfern einiges gewöhnt, aber das ist rekordverdächtig.
Ab Drena ging es dann nach solchen Highlight-Strecken auf eher langweiliger Straße nördlich weiter über Cavedine, Calavino nach Vezzano. Dort dreht die Straße erst nach West und dann wieder Süd um den Lago di Santa Massenza herum, aber auf respektabeler Höhe, in Richtung Ranzo. Diese Straße war wieder ein Highlight, teilweise in den Felsen gehauen, aber eine super ausgebaute Straße.

Montag, 31.08.2009, Teil 2
Allerdings war ich überrascht, dass dort ein Linienbus fährt. Wie die Busfahrer das nervlich packen ist mir ein Rätsel.
In Ranzo war die Welt für mich mal wieder zu Ende. Die Straße, die Google-Maps mir gezeigt hatte, war ein Schotterweg für geländegängige Fahrzeuge und Mountainbikes. Also mal wieder zurück. Es war zwar eine schöne Piste, aber trotzdem ist das ärgerlich. Unten kam ich dann am Castello di Toblino vorbei, das ich zuvor aus großer Höhe bewundert hatte.
Nun durfte ich einen großen Umweg fahren über Sarche, Villa Banale, San Lorenzo in Banale nach Molveno am Lago di Molveno.
Diese Strecke ist teilweise auch sehr schön und Molveno liegt auch sehr schön am See und ist gewiss ein Ort um länger zu bleiben, aber ich wollte FAHREN.
Weiter ging es erst Nordost über Andalo, dann Ost nach Santel und Fai della Paganella. Bei Santel ist ein Schigebiet und die Gegend ist im Sommer wenig attraktiv. Einzig das Albergo Miravalle fällt auf, ein wunderschönes Albergo direkt nach der Paßhöhe mit Blick ins Tal hinunter nach Trento.Ist sicher einen Aufenthalt wert, nur die Gegend nicht. Nach kurzer Pause fuhr ich hinunter auf wenig attraktiver Straße nach Mezzolombardo/Mezzocoraona. Dann weiter nach Norden auf der Weinstraße durch die ganzen Weinorte Rovero della Luna, Magreid, Kurtasch, Tramin, Kaltern. In Kaltern wollte ich übernachten, aber anstatt intelligent zur TouristInfo zu fahren, begab ich mich direkt auf Zimmersuche und ins Verderben. Nach vielen vergeblichen Anfragen bekam ich schliesslich ein ungepflegtes Zimmer im Ortsteil St. Nikolaus. Ich war einfach schon müde und genervt, sonst hätte ich die Bruchbude nicht genommen. Aber nach dem Duschen fand ich eine schöne Buschenschänke und genehmigte mir eine Brotzeitplatte von beachtlichen Ausmaßen und zwei Viertel Roten vom Feinsten.
Dann setzte sich noch ein Urlauber-Ehepaar zu mir und wir unterhielten uns gut. Das tröstete mich über das miese Quartier etwas hinweg.

Dienstag, 01.09.2009
Nachdem ich mein bißchen Gepäck zusammengepackt hatte und morgens nochmal geduscht hatte, um mir den Eckel wegen dem miesen Bett von der Haut zu spülen ging ich in den Frühstücksraum. Dort saßen schon einige Leute beim Frühstück, aber wie ich das Zeug sah, im Vergleich auch zu dem Super-Buffet am Gardasee, zog ich es vor ungefrühstückt weiterzufahren. Ich fuhr dann durch Bozen ins Sarntal hinauf. Unterwegs kauft ich mir ein Vinschgerl mit Schinken und Käse, welches ich dann auf dem Penser Joch frühstückte. Dann ging's hinunter nach Sterzing zur Brennerstraße, auf der weiter über den Brennerpaß nach Matrei am Brenner und dann rechts hinauf auf kleiner Straße durch Innerellbögen, Patsch, Lans, Sistrans, Fragslung, Rinn und wie die Käffer heissen wieder auf die Bundesstraße durch Volders, Wattens nach Schwaz. In Schwaz über den Inn und wieder weiter auf kleinen Straßen bis nach Kufstein. Dort bin ich noch mal eingekehrt auf Kaffee, Kuchen und ein Eis und dann ging es endgültig zurück nach Rosenheim.


Fazit: Wie anfangs geschrieben, 1150Km, ein paar Millionen Kurven, schöne und weniger schöne Erlebnisse und heile heimgekommen. Was will man(n) mehr?! Und jeder, der diesen Reisebericht gern liest, soll sich ein Beispiel nehmen und auch seine Erlebnisse veröffentlichen, damit andere was schönes zu lesen haben...







 

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