 |
|
Reisebericht Kurztrip zum Lago Maggiore (Danke an Martina vom Piaggio-MP3 Forum) Tourbeschreibung Lago Maggiore
Nach langer Planung und tagelangem Beobachten des Wetterberichts sollte es am Fronleichnammorgen früh losgehen. Allerdings machte uns heftiger Regen einen Strich durch die Rechnung. Erst um 10 Uhr machten wir uns auf die Reise. Wir, das waren mein Mann mit seiner Chopper, seine drei Söhne auf ihren Motorrädern, mein Bruder mit seiner 125er Varadero und ich mit meinem Dreirad. |
Über die A81 ging es von Stuttgart Richtung Schweiz. Wir hatten uns entschieden, die langen Strecken bei der An- und Rückfahrt schnell auf der Autobahn zu überwinden. Allerdings war mit "schnell" nicht viel, denn heftige Windböen machten uns insbesondere auf den Talbrücken das Leben ganz schön schwer. Ich habe mich dann hinters Windschild geduckt und war für die 260 Kilo Lebendgewicht meines MP3 richtig dankbar. Die erste große Pause legten wir dann an der Schweizer Grenze ein. Kaffee trinken und Vignette kaufen (kostet inzwischen 27,50 € ). Dann ging auf Richtung Zürich. Ich hatte im Internet erfahren, dass man seit der Eröffnung der neuen Westumgehung die Innenstadt als Transitstrecke Richtung Sankt Gotthard besser meidet. Mit einspuriger Verkehrsführung und kurzen Ampelphasen wird der Stau praktisch provoziert und man will damit die Fahrzeugführer zur Nutzung der Umgehungsstrecke bringen. Die ist allerdings gar nicht so leicht zu finden. Prompt haben wir uns verfranst, mussten ein ganzes Stück über die Landstraße zurück und verloren locker eine Stunde. So waren wir erst am Nachmittag am Vierwaldstätter See. Zwischen Brunnen und Altdorf gibt es dort einen Parkplatz, der aus mehreren Gründen empfehlenswert ist: es gibt tolle Fotomotive, viel Platz und eine Toilettenanlage. Gut, um Energie für den nächsten Abschnitt nach Andermatt zu tanken. |
 |
Kurz vor den Gotthardtunnel zweigt die Passstraße von der Autobahn ab und hier stand dann meine erste richtige Bewährungsprobe an: richtiges und zügiges Serpentinenfahren. Mit klopfenden Herzen und hochkonzentriert sind mir alle vorher erhaltenen guten Tipps gleichzeitig durch den Kopf gegangen. Aber irgendwie muss es was genutzt haben. Ich bin problemlos oben angekommen. Die Passhöhe am Sankt Gotthard ist recht unspektakulär. Aber wenige Kilometer weiter Richtung Süden lädt eine Jausenstation mit fantastischen Ausblicken und riesigen Parkplätzen auf beiden Seiten der Straße zur Rast ein. Hier hätte ich stundenlang sitzen und schauen können. Bergab ist dann an meinem Töfftöff zum ersten Mal ein Phänomen aufgetreten, das ich als "Garnicht-Schrauberin" zwar nicht erklären kann, ich habe aber gelernt, damit umzugehen. Bergab hatte mein MP3 ziemlich viele Fehlzündungen und da ich nicht einen eingelegten Gang bremsen lassen konnte, musste ich viel bremsen. Das ging irgendwann immer schwerer und da merkte ich, dass bei einer der Fehlzündungen wohl der Motor ausgegangen war. Mit Hinterradbremse und vorsichtigem Gasgeben (es ging ja eh schon richtig bergab) sprang der Motor wieder an und hat dann auch etwas mitgebremst. Unten angekommen überfiel uns südliche Wärme. Zwischen Bellinzona und Locarno zeigte das Thermometer bis zu 33 Grad an! Erst am See wurde es mit 26 Grad etwas erträglicher.
|
 |
Die Uferstraße auf der Westseite des Lago Maggiore hat glaube ich einfach keine Geraden! Das machte richtig Spaß, wurde manchmal aber auch etwas eng, wenn der Gegenverkehr meinte unsere Straßenhälfte mitbenutzen zu müssen. Hinter der italienischen Grenze ging es in Cannero Riviera noch einmal 5 km und 700 Höhenmeter hinauf zu unserer Unterkunft. Meiner Meinung nach ein echter Geheimtip: das Garni Viggiona ( www.garniviggiona.it) hat vierzehn relativ neu gebaute und rustikal eingerichtete Zimmer, gehört zu einer Pizzeria, in der man sehr gut und preisgünstig essen kann, bietet ein geniales Frühstück (Tomate mit Mozzarella, Schinken mit Melone, ital. Salami, Bergkäse und immer irgendwas Süßes) und kostet 75 € pro Zimmer pro Nacht. Nach einer tollen Tour durch die Berge oben ankommen, duschen, lecker essen, Weinchen schlürfen oder Bierchen zischen dabei "Rollerfahrergarn" spinnen und anschließend zweimal lang hinschlagen und man ist im Bett - das ist Lebensqualität! Für unseren zweiten Tag haben wir uns das Maggiatal als Ziel ausgesucht. Also: runter von Berg, zurück Richtung Locarno und zwischen den Tunneln unter Ascona und Locarno die Ausfahrt ins Valle Maggia nicht verpassen. Das Tal beginnt (oder endet - je nach Blickrichtung) mit einer breit ausgebauten Straße mit vielen Haltemöglichkeiten (für Leute, die im Fluss baden wollen) und sanften Kurven. Weiter hinten wird das Tal enger, viele spektakuläre Wasserfälle bringen Schmelzwasser zu Tal, die Straße wird enger und verwinkelter um schließlich zwischen Peccia und Fusio auf sechs Kilometern in einer atemberaubenden und engen Serpentinenstrecke 1000 Höhenmeter zu überwinden. Hinter Fusio sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Lago di Sambuco, einem Stausee, mit dem man versucht, die wilden Wasser der Maggia, die Regen in den Bergen sonst auch schon mal mit einer Flutwelle quitiert, zu bändigen. Dort oben gibt es einen kleinen Imbiss zum rasten, bevor die Tour wieder ins Tal führt. Eigentlich kann man die Straße auf der rechten Seite des Stausees weiter fahren. Sie führt (geteert) durch Almen und über weitere Serpentinen bis zum Lago di Naret auf 2.300 Meter Höhe. Aber dieser Abschnitt wird erst im Juli geöffnet. Jetzt liegt dort noch zu viel Schnee. |
 |
Auf der Rückfahrt hatte ich dann gleich wieder Gelegenheit, den Trick mit Bremse und Gas weiter zu vervollkommnen. Als ich unten ankam, hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt überall runterkomme . Das Essen auf unserem Berg hat am Abend super geschmeckt. An unserem zweiten Tag am See wollten wir es etwas gemütlicher angehen lassen. Getränke und Badesachen passten gut in den Kofferraum und unter die Sitzbank des MP3. Der Fotoapparat war griffbereit in der Jackentasche. Diesmal sind wir nicht bergab sondern bergauf gestartet. Die Strecke an Viggiona vorbei Richtung Verbania ist bei Motorradfahrern unheimlich beliebt. Sie ist relativ einfach zu fahren und bietet geniale Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge. Alle paar Kilometer unterbrachen wir die Fahrt zum Fotografieren. Zwischendurch lud eine nette Bar zum Käffchen ein (ich liebe italienischen Kaffee) und nach der Abfahrt durch enge und steile Straßen landeten wir am Lago di Megozzo. Das ist noch so ein Geheimtip: kleine und flacher als der Lago Maggiore hat er das sauberere Wasser, das auch schneller warm wird. Die Uferpartie kurz vor dem Städtchen Mergozzo wird von Badenden bevölkert, der Einstieg in den See ist relativ flach, die Ufer sind mit Gras und Bäumen bewachsen. Ein schattiges Plätzchen (das für unsere Nordländer-Haut viel besser ist als die pralle Sonne) ist auch in der Saison schnell gefunden. Das ganze kostet keinen Eintritt und alle paar hundert Meter gibt es kleine Imbissstationen mit Umkleidemöglichkeiten. Baaa, kann das Leben schön sein ... |
 |
Zurück nach Viggiona ging es dann wieder über die Uferstraße. Nicht all zu spät, denn am nächsten Tag ging es ja auf die lange Heimreise. Aber erst mal stand natürlich auf dem Programm. Für den Heimweg haben wir uns die Strecke über den San Bernardino-Pass ausgesucht. Bis kurz vor dem Tunnel kann man hier gut auf der Autobahn bleiben, denn der Anstieg bis auf ca. 1600 m geht in weit geschwungenen Serpentinen auf denen man mal ausprobieren kann, was man sich so traut (die eigenen mentalen Grenzen waren bei mir sehr viel enger als die der Maschine) und die eine echt spektakuläre Streckenführung hat. Vor dem Tunneleingang geht es dann rechts weg auf die Passstraße. Die ist richtig gut zu fahren und macht viel Spaß. Mein Bruder ist mal voraus gefahren und hat ein kurzes Video von Bergauf fahren gedreht. Den eigenen Fahrstil mal live zu sehen war ausgesprochen aufschlussreich.
|
 |
Die Strecke auf der Nordseite des San Bernardino fängt harmlos an und endet in einer Serpentinenstrecke mit gut ausgebauten Kurven. Ich habe so ungefähr zwanzig gezählt, es können aber auch mehr gewesen sein. Unten angekommen trift man wieder auf die Autobahn, die bis kurz vor Chur einspurig ist und sich durch spektakuläre Schluchten wie die via mala schlängelt. Von Chur bis zum östereichischen Pfändertunnel war die Fahrt dann ziemlich ereignislos. Vor dem Tunnel begann gerade der erste Stau des Rückreiseverkehrs. Und dahinter, ca. 500 Meter vor der deutschen Grenze haben unsere geliebten Freunde und Nachbarn doch tatsächlich eine große Mautkontrolle durchgeführt. Wir hatten zwar unser Pickerl (das für unseren MP3 wie für einen PKW 12,50 € für 10 Tage kostet) aber haben uns natürlich solidarisch mit den Erwischten tüchtig aufgeregt. |
 |
Hinter der Grenze auf der deutschen Autobahn wollte ich es dann wissen: bergauf (!) zeigte mein Tacho 155 km an. Nach einem leckeren Erdbeereis im Capri (Stadtzentrum in der Nähe des Ravensburger Tors) in Wangen/ Allgäu haben wir dann den Weg über die Alb eingeschlagen. Über Waldburg, Weingarten und Saulgau ging es Richtung Reutlingen. Nachdem wir in der ganzen Zeit vom Wetter verwöhnt worden waren wurden nun die Wolken immer dichter. Kurz vor Tigerfeld, als im vollkommen freien Gelände war es dann soweit. Gerade noch rechtzeitg bevor mal eben die Welt unterging konnten wir noch in die Regenkombis steigen. So und nun hatte ich zur Vollständigkeit auch noch das Vergnügen, die Honauer Steige im strömenden Regen runterzufahren. Aber dank meiner besseren Hälfte, der stoisch langsam vorweg fuhr und meines Bruders, der gnadenlos die nachfolgenden Autos abhielt habe ich auch das gut gemeistert. DANKE!!!! Ja, und von Reutligen nach Hause wars dann nur noch ein Katzensprung. |
 |
Fazit: Ich hoffe, das lesen hat Euch Spaß gemacht und ich konnte Euch für diese Tour den Mund wässrig machen. |
|
|
|
|
|
|