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Auf einen Cappuccino nach Meran (Danke an Uli vom Piaggio-MP3 Forum) Tourbeschreibung Tagestour nach Meran
Es gibt Tage, da muss man einfach dankbar sein für das schöne Wetter, einen Tag Resturlaub und einen Wohnsitz im Voralpenland. Diese Dankbarkeit kann man dann ja wem auch immer in Form einer schönen Tour erweisen ... |
Also nach dem Morgendunst gemütlich am Vormittag auf die Maschine geschwungen und erst einmal Richtung Süden gedüst, via B12 und B16 durch Füssen auf die Fernpassbundesstraße, Zielvorstellung: Italien! Mal sehen, wie weit ich komme, morgen muss ich wieder im Büro sitzen. Alles ist alles frei, bereits nach einer Stunde ist Reutte in Tirol längst passiert und die Kolonne vor mir verschwindet am Horizont, während ich beim Tanken einen Blick auf die Karte werfe, um mich zwischen Namlos-Tal oder Direktfahrt zu entscheiden. Die schnelle Verbindung siegt, da die Bundesstraße leer bleibt. So kann man die Fernpassstraße mal genießen, auch wenn die Autos im Bereich des Passes wieder eingeholt sind. Herrlicher Ausblick rechts und links, das frische Heu duftet ein letztes Mal dieses Jahr, dazwischen würziges Bergwaldaroma. Und dann eine Kläranlage oder, ach, das will ich gar nicht so genau wissen…
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Wie auch immer, in Landeck ist's vorbei mit dem Cruisen, die Straße ist baubedingt halbseitig gesperrt und ein Fahnenschwinger blockiert die Straße, bis er auch definitiv niemanden mehr entgegenkommen sehen kann. Das wäre Zeit für eine Zigarette gewesen, wenn man denn Raucher wäre. Ein Stückchen weiter das gleiche Spiel noch einmal und damit ist die Entscheidung gefallen - hier will ich nicht zurück, nach dem Reschenpass geht es via Meran weiter! Der Reschenpass ist harmlos, man kann aber wohl auch über Martina (Schweiz) und dann ein paar Kurven mehr fahren, dann kommt man aber nicht an der putzigen Festung Nauders vorbei. Einige wenige Kurven noch bergauf und dann auf der Passhöhe die italienische Grenze. „Benvenuto in patria", meine blaue Italienerin! |
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Und wehe, ich muss noch einmal irgendwo „italienische Mistmöhre" lesen, das liegt bestimmt nur an der nicht artgerechten Haltung. Von da ab geht es nur noch bergab, im Wesentlichen weite, geschwungene Kurven mit Flow, vor einem der offenen Blick ins Vinschgau, davor das Weltkriegsdenkmal, dahinter im Süden die bereits ziemlich weiße Ortlergruppe im Dunst. Aber zunächst muss natürlich noch der Kirchturm im See bei Graun bewundert werden, der der Anlage des Reschen-Stausees zu verdanken ist - vorher war da ein Dorf. Das schaut schon gespenstisch aus, die Kirchturmruine im türkisen Wasser.
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Bei Prad könnte man jetzt noch zum Stilfser Joch abbiegen, aber dafür reicht die Zeit heute nicht. Nun wäre es auch an der Zeit, ein paar Südtiroler Spezialitäten mitzunehmen, aber in Italien machen die Geschäfte über Mittag noch zu, soweit sie in dieser Gegend nicht ohnehin zwischen Sommer- und Wintersaison oder gar für immer dicht haben. Also bei Meran gemütlich des Rückens wegen im Stehen einen Panino und einen Cappuccino einnehmen, Italien pur genießen! Im ganzen Vinschgau ist Apfelernte, die Straßen sind voller eifriger, kleiner schmaler Traktoren, die turmhoch beladene Anhänger zu den Genossenschaften bringen. Unglaublich, dass die in den Kurven nicht umkippen. Meran (30° C) selbst ist irgendwie unklar beschildert, auf einmal ist auf der Einfallstraße ohne Vorwarnung Fahrverbot für Motorräder (oder nur für Kleinkrafträder wegen der MeBo? Egal - man fährt ja L5e), vor allem läuft mir die Zeit weg, ich will ja nicht erst im Stockefinsteren wieder daheim sein. Die Innenstadt wird also umgangen, via Dorf Tirol geht's weiter durchs Passeiertal Richtung Sankt Leonhard. Hier ist auch ein durchgehend geöffneter Supermarkt, der leider nicht alles Gewünschte mehr hat, aber dennoch für „Mitbringsel" sorgt. Es lebe der große Kofferraum! Die beiden russischen Jeeps von einer Transeuropa-Rallye haben der MP3 auf dem Parkplatz derweil die Schau gestohlen. |
In Sankt Leonhard muss dann auch die Entscheidung fallen: noch einmal Timmelsjoch oder Jaufenpass, diesmal in Gegenrichtung? Das Timmelsjoch ist erst einen Monat her, die Strecke dahinter in Österreich durchs Ötztal zu langweilig, also mal den Jaufenpass in Richtung Sterzing ausprobieren, hat ja auch fast 2100 m. Unendlich viele Kurven bergauf im Wald, neu asphaltierte Stücke wechseln sich ab mit tief rissigen Passagen. Rennraser und „Blümchenpflücker", ich irgendwo dazwischen, so soll es sein! Kurz vor der letzten Bebauung hole ich einen SAD-Linienbus ein, der recht zügig unterwegs ist. Der räumt mir dann die entgegenkommenden Kurvenschneider aus dem Weg, auch nicht schlecht. Im manchen Gesichtern spiegelt sich das schiere Entsetzen, wenn ihnen dieses Teil formatfüllend entgegengeprügelt kommt. Dann laufen wir leider auf einen gemütlichen Ausflugsbus aus ostdeutschen Landen auf, der mit seinen drei Achsen kaum um die Kurven kommt und nach kurzer Zeit an einer Baustellenampel die Straße blockiert. Zwei Busse an der roten Ampel, rechts die Leitplanke, links noch einen guten Meter Platz, der Gegenverkehr muss gleich kommen. Die MP3 und das Motorrad dahinter passen vorbei und überlassen die Busse ihrem Schicksal, vermutlich stehen die immer noch da oben ... Auf der Passhöhe das Pflichtfoto vor schönen Motorrad-Oldtimern und ein kurzer prüfender Blick in die Runde - sieht noch genauso aus wie vor einem Monat. |
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Also geht es tief befriedigt wieder bergab Richtung Sterzing, wieder Flow im Wald, wenig Verkehr. Bis zur Straßensperre durch einen Krankenwagen des weißen Kreuzes, ein zweiter naht bereits mit typisch italienischer Fanfare. Welche Farbe ist charakteristisch für Italien? „Lila lilaa - Lila lilaa". Als wir wieder durchkönnen ist eigentlich nichts Schreckliches zu sehen, weder kaputtes Zwei- , noch Drei-, noch Vierrad, nur zwei geparkte PKW ohne erkennbare Beulen. Ab Sterzing führt die Brennerbundesstraße, natürlich mit Tunnelbaustellen und Ampeln versehen zur italienischen Grenze am Brennerpass, neben mir auf der Bahnstrecke der dunkelblaue Orientexpress „Venice - Paris - London" mit seinen altmodisch-prachtvollen Waggons, stilecht geführt von zwei hochmodernen italienischen Stromlinienschnellzug-Elloks. Leider kann ich während der Fahrt nicht fotografieren, er zieht mir davon! Die Straße geht davon unbeeindruckt weiter in gemütlichen Windungen, kilometerweit begrenzt auf mäßige Geschwindigkeiten Richtung Innsbruck, die Autobahn mal hoch oben, mal neben einem. Dieser Blick auf die Europabrücke ist dem Autobahntouristen auch nicht vergönnt.
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Vor Matreiwald dann der wenig erfreuliche Hinweis, dass die Wartezeit an der Baustelle bis zu 20 Minuten betragen könne. So schlimm war es dann aber nicht. In der Tiroler Landeshauptstadt ist nach 304 km wieder Zeit für einen Tankstopp mit Alpinbilligsprit; bei uns kostet Diesel, was hier für Super verlangt wird: 1,09 Euro. Richtung Zirl geht es dann genau gegen die Abendsonne, das macht nicht nur mir zu schaffen, es geht sehr gemütlich zu auf dieser Passage. Der Zirler Berg ist keine Herausforderung für die MP3, außerdem gilt gerade eine Wohnmobil-bedingte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Immerhin: der Starnberger hat genug PS unter der Haube, hätten ja auch 30 km/h sein können. Über Seefeld und Scharnitz (die 40 km/h gelten nur noch abseits der Bundesstraße, das Schild ist allerdings etwas verschämt weit unten angebracht) geht es weiter zurück nach Deutschland. Zwischen Mittenwald und Garmisch wird die B2 sowie eine Brücke erneuert: Baustellenampeln, Stau, Kriechverkehr und zuletzt eine wild abgefräste Straße, auf der Zwei- und Dreiräder fahren, als wenn sie betrunken wären. Die vorgeschriebenen 50 werden, soweit überhaupt möglich, freiwillig eingehalten. Vielleicht wäre der Reschen (mit Tunnelbenutzung) doch der bessere Rückweg gewesen.
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Die sehr vielen Baustellen auf der Tour kosten Zeit, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 57 km/h. Dennoch: die Baustellenampel ist des Motorradfahrers Freund, so kann man die lästigen Kolonnen loswerden, indem man an den Wartenden vorbei zur Ampel vorzieht. Aber natürlich tue ich so etwas nicht, nie nicht… In Garmisch dann auf der Kreuzung wieder ein Unfall (diesmal ohne Personenschaden), dafür ist die Baustelle auf der Bergstrecke zwischen Oberau und Ettal endlich beseitigt. Schön, dass die beiden PKW vor mir es auch eilig haben. Der übliche Weg via Schongau - B17 führt heim, die neu ausgebaute Strecke mit den zahlreichen Überholspuren macht die Rennstrecke noch schneller. Jetzt wird es langsam dämmerig, die ersten Nebelschwaden ziehen auf, und die Heimat kommt in Sicht.
Fazit: Nach 530 km und 9 ½ Stunden Fahr- und Wartezeit geht eine Super-Tour zu Ende - und soviel zum Thema "Es reicht mit dem Pässe-Schrubben"!
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